3.11.2014

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Die zwei Städte, die jedem zwangsläufig einfallen wenn das Wort Australien fällt, sind wohl Sydney und Melbourne. Es wäre deshalb grundsätzlich vernünftig, eine von diesen beiden zur Hauptstadt des Landes zu erklären. Aber die zwei grössten Städte Australiens haben eine politische Dynamik, die der von beleidigten Kindern entspricht und waren der Meinung, wenn sie selbst nicht Hauptstadt sein könnten, dann sollte es die andere aber bitte auch nicht sein. Deshalb fing man im Jahre 1913 damit an, im absoluten Nirgendwo eine künstliche Stadt aus dem Boden zu stampfen. Diese Stadt trug den Namen Canberra.

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Nachdem das australische Parlament während der Erbauung Canberras in Melbourne tagte, musste im Gegenzug die neue Planstadt näher an Sydney liegen. Aus Gründen, die niemand so ganz versteht, baute man die Stadt auch nicht am Meer sondern einige Kilometer im Landesinneren. Hundert Jahre später ist Canberra immerhin die achtgrößte Stadt in Australien, wenn man die kleine Stadt Queanbeyan dazurechnet, die Canberra langsam aber sicher verschlingt. Nur zum Vergleich: die achtgrößte Stadt in Österreich wäre Wels mit immerhin fast 60.000 Einwohnern und die liegt ja eigentlich gleich weit von Graz und Wien entfernt. Haben wir da Reformbedarf?

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Der Grund warum ich das alles weiß, ist weil der österreichische Botschafter die Präsenz der österreichischen Auslandsdiener verlangte, und der österreichische Botschafter sich eben in Canberra niedergelassen hat, musste mein Kollege und ich deshalb wohl oder übel den beschwerlichen und langen Weg dorthin aufnehmen. Weil die damaligen Politiker die neue Hauptstadt nur zweieinhalb Autostunden von Sydney entfernt haben wollten (eine dreiste Lüge, damals rechnete man noch in Kutschen) bedeutet das zwangslaufig auch dass es ungefähr zehn Autostunden von Melbourne entfernt ist. Fliegen ist mindestens doppelt so teuer wie der Firefly-Bus (Greyhound ist nur etwas für verwöhnte Bonzen), also lieber schnell aus dubiosen Quellen die gesamte Game-of-Thrones Buchreihe auf den E-Reader laden. Zeit zum lesen dürfte ja genug vorhanden sein.

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Nachdem Canberra ja zuallererst auf dem Papier entstanden ist, musste man sich nicht an alle sonst historisch gewachsenen Konventionen halten. Deshalb ist das Parlament auch in einen Berg hineingebaut worden, weil Politiker sollten ja generell nicht höher als alle anderen sitzen. Weil man aber doch zu etwas aufschauen sollte, gibt es einen gigantische Flaggenmast der dann erst recht alles überragt.

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Wenn man eine der Gratistouren durch das Parlament hinter sich gebracht hat, hat man effektiv bereits halb Canberra gesehen. Das Nightlife in der Hauptstadt wird oft als schwarzes Loch beschrieben, und untertags schaut es halt einfach nicht wirklich anders aus. Es ist also verständlich dass ich die meiste Zeit in einem Domino-Pizzashop für 5 Euro riesige Pizzen gegessen habe.

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Zusammenfassend muss man sagen, dass Canberra schon ein bisschen interessant ist, und wenn man dort ist gibt es sicher ein oder zwei Dinge die man mit gutem Gewissen machen kann. Einfach einmal so nach Canberra fahren um spannende Dinge zu erleben ist eher übertrieben und großartig glücklich wird man dann dort nicht werden. Also ziemlich genauso wie in Wels.

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