14.08.2014
Wien ist ja grundsätzlich keine kleine Stadt. Melbourne ist allerdings doch noch einmal eine ganze Ecke größer, und das ist ein echtes Problem wenn man online nach privaten Angeboten für Dinge des täglichen Lebens sucht (in diesem Fall eine viel zu teure Kamera) und erwartet, diese Dinge dann in unmittelbarer Umgebung zu finden. Wer hier den Suchradius in der Suchmaschine seines Vertrauens auf Melbourne beschränkt, und das Glück hat, das der Offerent des gar nicht mal so günstigen Angebots auf „seiner“ Seite Melbournes wohnt, darf sich immer noch zwei Stunden lang mit Trams, Bussen und Metro-Trains durchschlagen, bevor er oder sie überhaupt in der Position ist, den Standort des Schnäppchens innerhalb 30 Minuten mit dem Rad zu erreichen. Das österreichische Äquivalent zu einer derartigen Abenteuerreise wäre ein Auslandssemester im Burgenland, nur um das einmal ins richtige Licht zu rücken.
Die Belohnung der Strapazen ist ein kleiner Asiate mit Brille, der verstohlen aus seinem Haus am Ende der Welt lugt bevor er mir freudestrahlend einen Karton in die Hand drückt. Es ist zwar immer noch eine Weltreise zurück aber immerhin kenne ich nun jetzt den Weg. Könnte man sich denken. Weil es meiner Meinung nach überall Raum zur Verbesserung gibt, versuche ich den Rückweg zu verkürzen, indem ich eine Abkürzung zu einer „näheren“ Metro-Station nehme. Es bleibt bei dem Versuch, denn meine Orientierung verabschiedet sich komplett und die einheimischen Melbourne-Provinzler sind zwar alle sehr nett aber auch komplett ahnungslos, was dieser gestresste Österreicher in Sommerjacke eigentlich von ihnen will. Die Rückkehr ist also keine Neuauflage des Abenteuers, sondern eher ein logische Fortsetzung, der Ausgang bleibt deshalb weiterhin unvorhersehbar.
Meine Arbeitsstelle in Melbourne setzt große Hoffnungen in mich und gibt mir deshalb einen Generalschlüssel für das gesamte Gebäude. Nicht einmal ich hätte mir einen Generalschlüssel gegeben. Wer hat Recht? Ich habe Recht. Bei erster Gelegenheit sperre ich unabsichtlich die halbe Belegschaft und mich selbst aus, und die Reinigungsfirma muss mitten in der Nacht einen ihrer Mitarbeiter schicken, weil nur diese jenen Spezialschlüssel haben, dem man für eine mehr oder weniger versteckte Hintertür zum Museum braucht.
Man könnte der Meinung sein, das Insekten den Winter grundsätzlich dafür nutzen sollten, sich auf einen langen Sommer vorzubereiten, und das möglichst tief in der Erde und ganz generell weit weg von uns armen Menschen. Man könnte deshalb auch der Meinung sein, eine Lasagne zum Auskühlen auf einen Sessel auf der hauseigenen Terrasse zu stellen ist durchaus im Bereich des Möglichen. Au contraire! Das vereinigte Ameisenvolk von Melbourne machte sich auf, meine Theorien zu widerlegen und stürzte sich gesammelt auf mein gutes Essen. Morgen läuft mein Ultimatum aus, wenn ich bis dahin keine neue Lasagne von diesen Aggressoren bekommen habe, muss ich ihnen wohl oder übel den Krieg erklären.
St. Kilda, gilt als eine der lebendigsten Teile Melbournes, und viele Sehenswürdigkeiten der Stadt finden sich genau dort. Leider bin ich als Wiener ein wenig vorbelastet. Der Luna-Park mag für viele ja echt ein spektakulärer Vergnügungspark sein, aber mit dem Prater im Hinterkopf konnte ich mich bis heute nicht motivieren, auch nur kurz hineinzuschauen. Acland-Street ist in ganz Melbourne bekannt für die exquisite Auswahl an Torten und anderen Süßspeisen, aber die österreichischen Konditoreien machen eben auch ziemlich wählerisch. Dafür gibt es hier an jeder Ecke Subway-Fastfoodrestaurants und davon findet man in ganz Wien ganze 3 oder 4 Stück. Man kann nicht alles haben im Leben.
