26.07.2014

Melbourne_by_night.jpg

Ich habe die Vermutung, der Reiz, in die Ferne zu reisen wächst proportional mit der Entfernung des Reiseziels und der Dauer der Zeit die man fernab von Daheim verbringt. Ein Nachmittagsausflug zum Neusiedlersee? Nicht gerade nervenaufreibend. Ein Wochenende in Paris? Höchstens wenn man versucht, sich mit den Landeseinwohnern in einer zivilisierten Sprache ohne Striche über den Vokalen zu unterhalten, kommt Spannung auf. Ein Jahr in Australien? Da fängt es schon an, aufregend zu werden.

Australien ist in vieler Hinsicht ein bemerkenswertes Stück Land. Ein bestimmtes Merkmal sticht jedoch zwangsläufig zwischen den tausend giftigen Tieren und Pflanzen, dem riesigen roten Stein in der Mitte und der komplett am Reißbrett entworfenen Hauptstadt Canberra heraus: Es ist wirklich ziemlich sehr weit weg von so ungefähr dem Rest der Welt. Egal ob man sich für die Route über Kuala Lumpur entscheidet, oder das Drehkreuz Dubai verwendet , man muss sich darauf einstellen Stunden im Wert eines ganzen Tags sitzend in einem komplett unterkühlten Flugzeug zu verbringen, während man sich gegen dem Vordermann verteidigt, der wertvollen Lebensraum mit seiner Rücklehne streitbar machen will, gleichzeitig aber in Momenten der Unachtsamkeit aggressiv nach hinten mit dem eigenen Sitz expandiert. Ein Krieg an zwei Fronten. Umso wichtiger, dass die Bordverpflegung bei Interkontinentalflügen einen großen Schritt weg von Hundefutter und hin zu tatsächlichem Essen gemacht hat. Die Gefahr, dass man der Flugbegleiterin an die Gurgel geht, weil man wegen einem gammeligen Thunfischsandwich geweckt wurde scheint vorerst gebannt.

Quer durch die „westliche“ Welt ist es üblich, die Hauptferienzeit im Sommer anzulegen. Australien macht das nicht anders, es verschiebt nur den Sommer ein wenig. Fröhliche 4°C hat es dementsprechend in Melbourne als das Flugzeug landet, immerhin 30°C kälter als in der schönen Alpenrepublik. Man muss positiv denken, es bleibt mehr Zeit an der Strandfigur zu arbeiten.

Dass in Großbritannien und Australien Linksverkehr gilt, ist allgemein bekannt. Weniger klar ist es, worauf das alles sonst noch einwirkt. Auf Rolltreppen steht man zum Beispiel links und überholt rechts. Ernstes Verwirrungspotential liegt hier verborgen.

Noch verwirrender sind hier die öffentlichen Verkehrsmittel. Die U-Bahnen fahren aus den Randgebieten in den sogenannten City-Loop, drehen dort wilde Runden und nehmen einen anderen Weg wieder hinaus. Gewisse Stationen werden hin und wieder ausgelassen, bei anderen wird plötzlich umgedreht. Busse haben pro Route ungefähr 1000 Stationen (sprich alle zweihundert Meter steht ein Schild), deren Namen auch die Busfahrer nicht wissen. Stehen geblieben wird halt dort, wo gerade jemand wartet oder auf den Stopp-Knopf gedrückt hat. All das bezahlt man teuer mit seiner MYKI-Card, für die es in jeder noch so ranzigen Straßenbahn drahtlose Kontaktstellen gibt, an denen man sich ein- und ausloggen muss. Weil wir gerade bei Straßenbahnen sind: Wer aussteigen will, zieht an einer Schnur, die sich quer durch den ganzen Waggon spannt. Melbourne ist anders.

 
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