22.12.2015
Es gibt viele Hindernisse, die einer besinnlichen Weihnachtszeit in Australien entgegenstehen. Da gibt es Tage mit 30 Grad die den Adventkalender schmelzen lassen, es gibt einen Strand, es gibt weniger Weihnachtslieder im Radio und nirgendwo ein Adventkranz weit und breit. Vereinzelt wurden Weihnachtsbäume an strategisch wichtigen Punkten aufgestellt, und es gibt viel Werbung für Boxing-Day-Sales, aber ansonsten ist es hier doch ziemlich unbesinnlich. Da meine Spione mir erzählen, dass auch in Wien Weihnachten grün wird, kann ich all dies aber ganz gut verkraften. Ich verpasse ja sozusagen nichts.
Unser Museum hält regelmäßig Veranstaltungen an Sonntagen und lädt dabei durch die Bank die ältere Hälfte der jüdischen Gesellschaft ein. Das ist schon alles wichtig, immer wieder witzig und führt doch relativ häufig zu absurden Situationen. Als wir zum Start einer neuen Fotographie-Ausstellung eine Eröffnungszeremonie hielten, brach einer der Besucher zusammen und unterbrach so die formidable aber kontroverse Rede einer amerikanischen Kuratorin, die wir als Gast geladen hatten. Jetzt muss man dazu aber wissen, dass unsere Events nicht nur äußerst anfällig dafür sind, dass alte Menschen ihren gesundheitlichen Problemen erliegen, sondern sind auch ein guter Beweis für die exzellente Versorgung, die die Community aufgebaut hat, um mit Events voller alter Menschen fertigzuwerden. Die Jüdische Gemeinschaft in Australien hat ein eigenes, auf Freiwilligkeit basiertes First-Responder-System, die sogenannte HATZOLAH. Der gute Mann war noch nicht einmal halb vom Sessel gerutscht, da stürmten bereits drei Ärzte das Auditorium. Die echten Paramedics, die etwa zwanzig Minuten später eintrafen, konnten den bestens versorgten und längst wieder stabilen Patient nur noch abtransportieren.
Das Rettungswesen hier ist generell ein Kapitel für sich. Während sich in Österreich die Rettungsdienstorganisationen im politischen Diskurs eher bedeckt halten und nur hin und wieder mit halbinformierten Meinungen glänzen, falls mal wieder die Wehrpflicht abgeschafft zu werden droht, laufen hier die Dinge ein bisschen anders. Ausnahmslos jeder Rettungswagen wurde von den zuständigen Sanitätern liebevoll mit Schmähparolen gegen die derzeitigen Politiker verziert, die die chronische Unterfinanzierung des Rettungsdiensts in den letzten Jahren noch verschlimmert haben. Australien setzt nämlich, anders als Österreich, nicht auf schnellausgebildete Freiwillige und Zwangsarbeiter sondern auf tatsächlich medizinisch fundiert ausgebildetes Fachpersonal. Nachdem das Budget für diese konstant gekürzt wurde, fahren jetzt einfach deutlich weniger Sanitäter in der Weltgeschichte zur gleichen Zeit herum. Und was diese davon halten, kann man leicht an der Rückseite jedes Rettungsautos nachlesen.
Australiens trockene Landschaften verbunden mit dem nationalen Ozonloch und starken Winden sind ein Paradies für Buschfeuer. Irgendwo im Land brennt es eigentlich immer. Auf der Brandwahrscheinlichkeitsskala des Landes ist deshalb der zweitniedrigste Status bereits HIGH FIRE DANGER. Ganz oben gibt es dann das omniöse CODE RED, was ungefähr umschreibt, dass halb Australien brennt und niemand etwas dagegen tun kann. Wer sich jetzt aber denkt, dass er in urbanerem Gebiet (überall wo keine Kängurus zu sehen sind) sicherer ist, wird enttäuscht werden. Mistkübel fangen hier regelmäßig zu brennen an. Das alles sehr zur Freude der örtlichen Feuerwehr die dann mit einem voll ausgestatteten Truck anrückt, nur um zu sehen, dass ein genervter Kellner („Third time this Week!“) den Brandherd bereits selbst gelöscht hat.
(fun fact of the day: Tatsächlich ist das Land Australien größer als der Kontinent, da die südliche Insel Tasmanien politisch zu Down Under gezählt wird.)




