02.08.2014
Die meisten Einwohner Melbournes mit denen ich hier zu tun habe versichern mir, dass die derzeitigen Temperaturen um den Nullpunkt total unüblich für einen Winter in Melbourne sind. Die gleichen Einheimischen behaupten auch, dass es eigentlich nie so windig ist wie jetzt gerade. Ich fühle mich dementsprechend angemessen demütig, als mich dieser immerhin einzigartige Sturm durch die Straßen der Bezirke St. Kilda, Elwood und Elsternwick peitscht und vor mir Bäume auf die Straße wirft. Man soll nicht undankbar sein, immerhin hatte ich Rückenwind an meinem ersten Arbeitstag.
Wenn man die verschiedenen Fahrradmarken, die hier in Down Under angeboten werden auf einer Liste nach Preisen ordnen würde, dann würden REID-Cycles ziemlich weit unten zu finden sein. Um gerade mal 280 australische Dollar (weniger als 200 Euro) bekommt man hier ein Fahrrad inklusive einjähriger Garantie auf so ziemlich alles außer dem Rahmen (der hat lebenslange Garantie), Schloss, Beleuchtung, Pumpe und 3 Jahre gratis Service. Falls das Gerät länger als eine Woche hält, dürfte es sich bereits amortisiert haben. Und außerdem: Single-Speed ist kein Mangel, sondern ein Lifestyle. Gerade hier in der Hipster-Metropole Melbourne.
Habe ich schon erwähnt, dass in Australien Linksverkehr herrscht? Es gibt nichts Tödlicheres für einen unbedarften Europäer als australische Kreisverkehre. Egal wie gut man sich auf geraden Straße oder leichten Kurven unter Kontrolle hat, auf der falschen Seite in den Kreisverkehr hineinzufahren, drinnen zu bleiben und wieder hinauszufahren ohne auf die falsche Spur zu wechseln halte ich für eine Unmöglichkeit. Vielleicht sollte ich kleine, österreichische Fahnen an meinem Fahrrad montieren, um zu zeigen dass ich nicht von hier bin. Nicht, dass das durch meine konstant falsche Fahrweise nicht sowieso auffallen würde.
Wenn es um die Einrichtung meines Lebensraums geht, bleibe ich vorerst konservativ und deshalb beim schwedischen (heute eigentlich niederländischen) Möbelhaus meines Vertrauens. Angeblich fühlt man sich auch wohler mit Möbeln, die man selbst zusammengebaut hat. Ein unbestreitbarer Vorteil ist aber auf jeden Fall, dass man sich sein Zimmer aus der schönen Heimat akkurat nachbauen kann und nachher immer noch genug Geld hat, sich in Melbourne in Ekstase zu essen. Und Melbourne soll ein ausgezeichneter Ort dafür sein, dass sagen mir zumindest die Einheimischen.
