02.09.2014
Hier in Australien ist derzeit Winter, es ist meistens kühl, es regnet oft und die Sonne sieht man nur jeden dritten Tag. Dafür hat man die Aussicht auf einen 35 Grad Sommer der immer greifbarer wird und der Strand ist nicht einmal zehn Minuten mit dem Rad entfernt. Im schönen Österreich, ist derzeit Sommer, es ist meistens kühl, regnet oft und die Sonne scheint auch lieber woanders. Dort hat man dafür die Aussicht auf einen immer greifbareren Winter, der es noch öfter kühl, bewölkt und regnerisch sein lassen wird. Und um zum nächsten Strand zu kommen, setzt man sich erstmal einen ganzen Tag ins Auto. Ich muss gestehen, mein Heimweh hält sich in Grenzen.
Meine netten Kollegen im Museum haben hart überlegt, wie man einen Wiener am besten begrüßt und für meinen Willkommenslunch Dinge gekauft, die einem Apfelstrudel nachempfunden sind. Mit Rosinen übrigens. Die Alternative waren glutenfreie Cupcakes, daneben wirkt das Teigmonster mit Apfelstücken daneben gleich deutlich attraktiver. Zur Verteidigung der australischen Konditoreien muss gesagt werden, dass er Strudel deutlich besser geschmeckt als ausgesehen hat.
Als Österreicher bin ich nicht allzu verwöhnt, was Hochhäuser angeht, Wien ist skyline-technisch gesehen ja ziemlich unspektakulär. Um all diese Hochhauserfahrung nachzuholen bietet sich natürlich der das Skydeck des Eureka-Tower an, seines Zeichens höchste Aussichtsplattform in der südlichen Welthalbkugel. Knapp dreihundert Meter und 88 Etagen legt der Aufzug unangestrengt summend in einer halben Minute zurück; das ist ungefähr die gleiche Zeit die unser uralter Aufzug im Museum braucht um vom Erdgeschoss in den ersten Stock zu kommen. Ein seltsames Gefühl im Bauch hat man aber bei beiden Aufzügen. Dafür wird man mit einem schwer genialen Ausblick belohnt, kann Postkarten in den höchsten Briefkasten der Welt werfen und sich mit Asiaten auf der windigen Terrasse um die besten Selfie-Plätze streiten. Als vor zwei Jahren der erste Selfie-Stab fürs Handy präsentiert wurde, habe ich nicht damit gerechnet, dass sich dieses unheilige Accessoire etablieren kann. Ich lag leider falsch.
Nachdem man im Vorhinein nie genau wissen kann, was man in einem Auslandsjahr so braucht, ist es gut wenn der eigene Vater ein Monat später nachkommt. Für ihn ist Melbourne zwar eigentlich nur ein Zwischenstopp, aber das reicht um ihm von zuhause einen prall gefüllten Rucksack mitgeben zu lassen. Geheimtipp für Weltreisende: Wer ein österreichisches Verteilerkabel mitnimmt, erspart sich viel Geld für viele Steckdosen-Adapter.
Mein Handy, ruhe es in Frieden, hat kurz vor meinem Reiseantritt den Geist aufgegeben. Mit viel Bürokratie habe ich es dem Service-Center des Elektrofachhandels meines Vertrauens das Gerät aufgedrückt und bin mit einem Kostenvoranschlag der den Neupreis locker übersteigt zu der Versicherung gewackelt. Diplomatisch habe ich vorgeschlagen, mir doch einfach ein neues Handy zu geben, weil es sowieso ein Totalschaden ist, deshalb das Prozedere für die Versicherung billiger wäre und ich dann mein gutes rechtzeitig vor meinem Flug hätte. Die Frau vom Kundenservice sieht das aber ganz anders: Ich habe halt so eine gute Versicherung abgeschlossen, dass sie mir das Handy sogar reparieren obwohl der Schaden den Neuwert übersteigt, und das sei keineswegs um mich zu ärgern sondern sozusagen ein Bonus. Hoch lebe der versicherte Höchstbetrag. Ich musste also ohne Handy auswandern, während die Versicherung viel Geld in das Saturn-Servicecenter steckte um mein Handy wiederzubeleben. Die Leute dort bemühen sich auch fleißig, all die Moneten zu verbrauchen, bis sie dann doch feststellen, dass es ja wirklich ein irreparabler Totalschaden ist und einfach ein Neugerät in die Schachtel legen. Nur mein Zubehör haben sie leider vergessen, und das hätte in Vaters Rucksack ja auch noch Platz gehabt. Sinnlose Menschen. Da hilft nur noch australische Gelassenheit.
